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Obst & Gemüse

Als wir die "Entscheidung Shangai" in unserem Umfeld publik gemacht haben, kam immer mal wieder die Frage nach der Lebensmittelqualität vor Ort auf. Wer mich kennt weiß, dass mir mein Obst und Gemüse doch sehr am Herzen liegt. Schon bevor ich mich gen Shanghai auf den Weg machte, habe ich stundenlang im Internet nach Möglichkeiten gesucht, ob und wo ich denn in Shanghai an aus meiner Sicht vernünftiges Obst und Gemüse kommen kann. Dabei bin ich über zwei Gemüse-Abokisten gestolpert, die ihre Basis in der Stadt haben. Die galt es also auszuprobieren oder zumindest eine von beiden.

 

Direkt nach meiner Einreise haben wir gleich ein Abo für eine Gemüsekiste abgeschlossen. So wird seit Ende August jeden Montag eine stabile Pappkiste gefüllt mit 12 verschiedenen Gemüse-Sorten und 2 Obst-Sorten geliefert und gegen die leere Kiste der Vorwoche ausgetauscht. Ich kann mir meine Kiste nicht selbst zusammenstellen (nur die Größe ist variabel) und so ist es jeden Montag eine Überraschung, was diesmal dabei ist. Meist ist es eine Mischung aus westlichen und asiatischen Sorten. Karotten sind eigentlich immer dabei, mal in gelb, mal rot oder orange. Manchmal sind sie schön und groß und dann auch wieder kommen die aus der Norm fallenden "ugly carrots". Die Auberginen sind immer ganz schmal und lang. Die Gurken haben manchmal Pickel. Die Shiitake-Pilze sind viel größer als ich sie bisher kannte. Taro habe ich das erste Mal gegessen und die stärkehaltigen Knollen haben mir sehr gut geschmeckt. Es sind natürlich auch schon Dinge dabei gewesen, die keiner bei uns wirklich mag. Okra.... naja! Koriander..... brrrr! Aber über den war Frau Nachbarin sehr glücklich. Der Kiste liegt immer ein Rezept bei, aber mit Rezepten habe ich es ja nicht so...!

Zusätzlich kann ich je nach Saison noch Sachen außerhalb der Reihe ordern. So gibt es jetzt im Herbst die Möglichkeit 10 kg Äpfel oder 3 kg Birnen zu bestellen. Das hab ich auch schon gemacht und mir die Mengen an leckerem Obst dann mit Frau Nachbarin geteilt. Ab Januar gibt es Orangen und im Sommer dann Pfirsiche oder Maracujas oder Tomaten. Alles wird Kistenweise direkt von den jeweiligen Farmen zu mir nach Hause geliefert. So ist ein Großteil meines Bedarfs schon einmal abgedeckt- Was noch fehlt wird dann in der lokalen Markthalle oder im kleinen Mercado um die Ecke eingekauft.

 

Aufgebaut wurde die Organisation vor ein paar Jahren von einer Dänin und jetzt ist es ein bunt zusammen gewürfeltes Team von jungen, engagierten Menschen aus Ost und West. Die Farmer, mit denen zusammen gearbeitet wird, haben alle kleine Betriebe und arbeiten nach ökologische Richtlinien. Dabei sind manche ganz offiziell bio-zertifiziert, während andere nach ökologischen Prinzipien wirtschaften, aber ohne Zertifikat, weil Geld und Zeit dafür fehlen. Ein paar wenige Betriebe setzen Chemie als "Notfallmedizin" ein, wobei deren Produkte dann besonderen Rückstandskontrollen unterliegen. Alle Farmer werden regelmäßig besucht, beraten und unterstützt. Rückstandsuntersuchungen werden ebenfalls durchgeführt.

 

In die Kisten kommt dabei nur Obst und Gemüse der Saison aus der Region Südost-China. Manchmal wird ein Farmer vorgestellt und es ist ganz interessant, was die z.T. für Werdegänge haben: Da gibt es eine ehemalige Uni-Professorin, einen aus der Finanzbranche, alteingesessene Familienbetriebe oder 4 junge Freunde, die zusammen einen Hof neu aufgebaut haben, wobei einer schon in Deutschland im ÖkoAnbau gearbeitet hat.

 

Mein nächster Schritt wird hoffentlich der ein oder andere Farmbesuch sein. Ich hab schon Kontakt aufgenommen und hoffe, dass ich im Frühling ein oder zwei Betriebe besichtigen kann. Und ansonsten freue ich mich einfach jeden Montag in der Früh über meine Überraschungskiste. Ein guter Start in die Woche.

 

Herbstliche Grüße aus Shanghai,

die Gatzingerin