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Sheshan 佘山

Der letzte Sonntag im August. Es war warm, sonnig und der Himmel war so herrlich blau. Der Junior ist mittags immer noch faul, mag lieber im Schlafanzug Lego bauen und ??? hören als mit uns einen kleinen Ausflug zu machen. So stiegen der Gatzinger und ich zu zweit auf unsere Roller und machten uns auf den Weg nach Sheshan. Mit den Rollern versuchten wir, uns unserem Ziel auf meist kleinen, oft dörflichen Strassen zu nähern. Mal führte der Weg an einem beschatteten Kanal entlang und wurde von kleinen Reisfeldern gesäumt, mal ging es durch kleine Siedlungen oder Mini-Wäldchen. Oder durch die ein oder andere kleine Allee. Dann auch wieder mussten wir mit der voll-sonnigen Rollerspur der Hauptverkehrsstrassen vorlieb nehmen. Der Gatzinger kennt die kleinen Wege von seinen früh-morgendlichen Fahrradtouren mit einer netten Männertruppe. Für mich war es das erste Mal, dass ich mit dem Roller durch das gar nicht weit entfernte, etwas ländliche Shanghai gefahren bin. Dabei bin ich schon ein Jahr hier - Asche auf mein Haupt.

 

Unser Ziel liegt knapp 20km entfernt in einer recht grünen, etwas hügeligen Gegend. Dort gibt es Golfclubs, einen Skulpturenpark, einen Freizeitpark, einen Wasserpark, den großen Botanischen Garten und eben den Sheshan-Forestpark. Auf dem knapp 100m hohen Westhügel befinden sich das Observatorium und die katholische Basilika. Eintritt muss man momentan nicht bezahlen, aber wieder mal einen QR-Code scannen und x-mal auf "zulassen" und "akzeptieren" klicken. Wobei ich natürlich nicht lesen kann, was das WeChat-Miniprogramm von mir will. Mittlerweile klicke ich mich relativ zielsicher durch die chinesischen Seiten und erkenne meist, wo ich meinen Namen und Telefonnummer eingeben muss und wenn ich nicht weiter weiß, halte ich einem meist hilfsbereiten Hilfssheriff mein Telefon mit einem fragenden Blick unter die Nase. Der klickt dann für mich weiter und es funktioniert eigentlich immer irgendwie.

 

Der Aufstieg erfolgt über die üblichen Treppenstufen, vorbei an einer Pagode und weiter oben gibt es auch schöne, kleine Wege, die sich den Hügel hinauf schlängeln. Es ist so eine Art kurze Wanderung. Bambus und Bäumen sei Dank sind die Wege gut beschattet. Oben angekommen stehen wir leider vor einem verschlossenen Schmiedeeisernen Gitter. So konnten wir die strahlend rote Backsteinkirche aus dem Jahr 1935 leider nur aus der Entferung und von außen bestaunen. Sie gehört zu größten Kirchen im Fernen Osten und scheint recht frisch renoviert zu sein. Vielleicht komme ich einmal wieder...

 

Auf dem Rückweg haben wir uns ein wenig verfahren, aber das war nicht weiter tragisch. Die Rollerbatterien waren noch gut geladen. Wieder ging es über große und kleine, laute und leise, graue und grüne, volle und leere Strassen. Es hat Spaß gemacht. Der Gatzinger und ich alleine unterwegs. Das einzigst negative war am Schluss ein leichter Sonnenbrand an der Stelle, die ich vergessen hatte einzucremen. Pech gehabt.

 

Das nächste Mal, wenn es in diese Richtung geht, möchte ich in den Botanischen Garten. Der wurde zur Expo neu gebaut und soll spitzenmäßig sein. Ich bin gespannt. Aber vielleicht lieber unter der Woche, wenn es dort nicht so voll ist.

 

Es grüßt,

die Gatzingerin