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Taipingqiao 太平桥

Einen sonnigen Tag in den Herbstferien haben wir genutzt, um gemeinsam durch das alte Viertel Taipingqiao in der ehemaligen Französischen Konzession zu schlendern. Der Junior war nur mäßig begeistert von der Idee, aber da ein Freund von ihm mit samt Familie von der Partie war, war es dann nur "halb so schlimm".

 

Auch in Taipingqiao werden zunehmend alte Strassenzüge platt gemacht und durch Hochhäuser ersetzt, dennoch sind viele alte Gassen und Nachbarschaften mit ihren kleinen Krämer-Läden, Hof-Friseuren, Nudelbuden und Werkstätten noch vorhanden. Das Leben dort ist eng, im Winter kalt, feucht und zugig, im Sommer heiß, feucht und stickig. Oft teilen sich mehrere Menschen ein Zimmer. Toiletten und Duschen sind meist als Gemeinschaftseinrichtung zu nutzen. Ein klein wenig fühle ich mich stets an etwas runtergekommene Dauercamper-Ecken auf manchen Campingplätzen erinnert. Die kleinen Reihenhäuschen haben von ihren Bewohnern über die Zeit oft die wildesten Anbauten vorne, hinten oder oben angeklebt bekommen, das Leben spielt sich viel im Freien, also in der Gasse ab. Viele Türen stehen offen und erlauben einen kurzen Einblick ins Private. Die Wäsche trocknet draußen im Wind und daneben hängen die Bettdecken zum Lüften.

 

Die Menschen die in diesen Lilongs (Gassen-Viertel) und Shikumen (Steintorhäuser) leben waren uns gegenüber sehr freundlich, sie grüßten und lächelten und zu. Besonders die Kinder liefen ganz wild und aufgeregt umher und versuchten uns mit englischen Wortfetzen zu beeindrucken. Noch im Sommer sah das ganz anders aus. Da herrschte durch die Corona-Zeit große Verunsicherung und niemand wollte fremde Menschen in den Gassen sehen. Aber Shanghai hat sein freundliches, offenes Gesicht zurück und das ist ein schönes Gefühl.