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Xi'an 西安

Seit Oktober haben wir davon geredet, gemeinsam nach Xi'an zu fahren. Unsere Chinesisch-Lehrerin Du Laoshi, meine liebe Mitschühlerin und ich. Jetzt war es also soweit, eine kleine Abschluss-Reise bevor Frau Lehrerin uns im Sommer Richtung Deutschland verlassen wird. Ein langes Wochenende haben wir nun Zeit gehabt, die alte Kaiserstadt Chang'an und Umgebung zu erkunden. Als Ausgangspunkt der Seidenstrasse und Sitz vieler Dynastien ist das heutige Xi'an wirklich reich an Geschichte. Die Atmosphäre im Norden ist eine ganz andere als in Shanghai. Die Luft viel trockener, die Wärme angenehmer. Der Verkehr ist im Vergleich zum recht zivilisierten Shanghai allerdings ziemlich chaotisch. Viele TukTuks, die entweder mit Waren aller Art oder Menschen aller Couleur beladen sind, drängeln sich zusätzlich zu den Autos kreuz und quer durch die Straßen. Bei der spät abendlichen Fahrt zurück zum Hotel wurden wir jedenfalls ordentlich durchgeschüttelt und uns standen ein wenig die Haare zu Berge nach der doch recht abenteuerlichen Fahrt im klapprigen TukTuk.

 

Ein Highlight in der Stadt ist die alte Stadtmauer. Sie markiert als Rechteck den Bereich der Altstadt. Auf 14 km Länge kann man Xi'an zu Fuß oder per Fahrrad umrunden, wenn man mag. Immer wieder kommen Wachtürme und Wehranlagen. Wir sind nur etwa ein Viertel der bis zu 12 m breiten Mauer abgelaufen. Eine beeindruckende Anlage.

Trommelturm und Glockenturm finden sich ziemlich im Zentrum der Altstadt. Der Glockenturm trohnt mitten auf der Hauptkreuzung der Altstadt und ist momentan  sehr unromantisch von einer Baustelle und einem geschäftigen Kreisverkehr umgeben. Mir hat der nicht weit entfernte Trommelturm wesentlich besser gefallen. Auf dem Trommelturm finden sich -oh Wunder- zahlreiche große und einige riesengroße Trommeln, die zu jeweils unterschiedlichen, festgelegten Zeiten im Mondjahr zum Einsatz gekommen sind. Vielmehr geschichtlich Wichtiges habe ich nicht zu bieten, außer dass er mir außerordentlich gut gefallen hat mit seinen wunderschöne Bodenfliesen und dem Blick auf den Beginn (des eher touristischen Teils) des muslimischen Viertels.

Wenn man das muslimische Viertel vom Trommelturm kommend betritt, fühlt es sich für mich auf den ersten Metern ein bisi nach Jahrmarkt an. Laut, wuselig, mit Musik und vielen Menschen. Viel spannender und authentischer wird es in den Nebengassen und angrenzenden Vierteln. Dort warten kleine Gassen, mobile Essensstände, Restaurants, Mini-Geschäfte und Waren aller Art. Eine Mischung aus orientalischem Zauber und Chaos liegt über dem gesamten Viertel. Sehr faszinierend und komplett anders als das moderne und doch recht westlich geprägte Shanghai. Was haben wir dort leckere Sachen gegessen. Nudelgerichte in vielen Variationen, süße Reis-Nachspeisen, die bei unserer Lehrerin Kindheitserinnerungen wach gerufen haben, dazu ein frisch gepresster Granatapfel-Saft oder eine noch warmes Fladenbrot mit Sesam.

Es waren drei voll gepackte, lange Tage, die wir in und um Xi'an verbracht haben. Wie das im Detail aussah, das erzähle ich demnächst. Es ist einen eigenen Bericht wert. Ebenso wie die Terrakotta Armee. Nur so viel sei verraten: Reisen auf die chinesische Weise ist eine Erfahrung der anderen Art und wirklich ein Erlebnis. Ich weiß jetzt zumindest, wie man es schafft komplett Europa in nur 10 Tagen abzuhaken. Wir haben viel Spaß gehabt, viel gesehen, viel gelacht und immer wieder gestaunt oder den Kopf geschüttelt. Die Quintessenz des Wochendendes: Die alte Kaiserstadt ist wirklich sehenswert.

 

Liebe Grüße von Ost nach West.

die Gatzingerin