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letzter Schultag

Gestern war es endlich soweit. Der vom Junior lang herbei gesehnte letzte Schultag vor den langen Sommerferien stand vor der Tür. Besonders gut gelaunt machte er sich am Morgen mit einer großen Tüte Semmeln auf den Weg zur Schule. Gemeinsames Frühstück mit der Klasse, Abschiedsfeier in der Piazza und anschließende Zeugnisübergabe stand auf dem Stundenplan.

 

Prinzipiell ist das Betreten der Schule für uns Eltern leider immer noch tabu, aber die Schulbehörde hat mal wieder eine kleine Ausnahmegenehmigung erteilt und so durften die Elternvertreterinnen (und ein paar Elternvertreter) bei der Jahresabschlussfeier in der Piazza dabei sein. Die Chance habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen, denn die Feiern der Schulgemeinschaft sind für mich immer noch etwas Besonderes.

 

Zwei Schulbands haben Musik gemacht. Vielen Schülern und Klassen wurden Pokale für besondere sportliche Leistungen, Geschenke für extra Leistungen im Theaterspiel, in der Musik, im Känguru-Wettbewerb der Mathematik oder beim Vorlese-Wettbewerb verliehen. Alle wurden gefeiert und bejubelt.

 

Es wurden natürlich so einige Reden geschwungen. Besonders hervorgehoben wurde der Umstand, dass es im zurückliegenden Schuljahr nicht einen einzigen Tag Homeschooling gegeben hat. Die Schule kann auf ein fast normales Schuljahr zurück blicken. Lediglich die Klassenfahrten mussten ausfallen. Das Maske tragen und die Temperaturkontrolle beim Einlass in die Schule gehört schon fast zum "new -normal" dazu.

 

Gegen Ende der Feier kam dann der traurige Teil. Lehrer, Mitarbeiter und Schüler, die Shanghai jetzt im Sommer verlassen werden, wurden gebührend verabschiedet. Ein Abschiedslied, eine Blume für jeden Einzelnen und liebe Worte.

 

So saß ich also da in dieser schönen Atmosphäre mit netten Menschen rechts und links von mir und es kam, wie es kommen musste. Die Gatzingerin wurde emotional, sentimental. Überall sah ich Menschen mit den Tränen kämpfen. Menschen, die in ein paar Wochen oder Tagen China verlassen werden und Menschen die zurück bleiben und die anderen vermissen werden. Wer mich kennt, weiß, dass ich in solchen Momenten meine Tränen nie zurück halten kann. Die Gatzingerin ist immer sehr nah am Wasser gebaut und allein der Gedanke, dass wir im kommenden Jahr diejenigen sein werden, die sich verabschieden müssen, hat ein paar Tränen fließen lassen. Das beständige Abschiednehmen gehört zum Expat-Dasein dazu. Ich weiß. Aber die Freude auf die Rückkehr in die Heimat zu lieben Menschen gehört auch dazu und da wir momentan ja nicht mal eben zwischendurch nach Deutschland reisen können, wird die Vorfreude auf das Wiedersehen immens sein.

 

Ich bin nur froh, dass weder ich noch der Junior in diesem Jahr Menschen aus unserem nahen Umfeld verabschieden müssen. Der enge Kreis bleibt uns Gott sei Dank im kommenden Jahr komplett erhalten und so habe ich nach der Zeugnisübergabe einen überaus fröhlichen Sohn hinter mir auf dem Roller sitzen gehabt, der sich auf knapp 8 Wochen Sommerferien freut. Gefeiert haben wir den letzten Schultag mit einem Mittagessen mit Freunden beim Lieblings-Italiener und der Junior hat sich dann gleich mal verabschiedet, um bei seinem die Nacht zu verbringen und gemeinsam Fussball zu schauen. So soll es sein.

 

Auf die Ferien! Auf den Sommer!

die Gatzingerin